Die Münchner Presse.

Wenn das Wort des österreichischen Politikers wahr ist, daß "jedes Land die Presse hat, die es verdient", dann kann Bayern und speziell München heute ganz zufrieden sein. Es ist ja klar, daß die politische Tagespresse keinen leitenden Einfluß auf die Geschicke Alldeutschlands ausüben konnte, aber weit über die Grenzen des Reiches hinaus, wohl über den ganzen Erdball, reicht der Einfluß und die Macht der Münchner Witzblätter, die heute in drei verschiedenen Species, jede mit scharfausgeprägter Eigenart, an der Spitze aller derartiger Publikationen in ganz Deutschland stehen. Der sogenannte "harmlose" Humor, der sorgfältig jede Politik vermeidet, findet seit länger als einem halben Jahrhundert in den "Fliegenden Blättern" sorgfältigste Pflege. Das Gegenspiel davon ist der "Simplicissimus", der mit vernichtendem Spott politische Sünden und Sünder überzieht und den wohl Freund und Feind heute als das beste politisch-satyrische Witzblatt bezeichnen muß. In der Mitte zwischen beiden Extremen steht Dr. Georg Hirths "Jugend", die nebst "harmlosem" und politischem Humor auch rein künstlerische Tendenzen verfolgt und nicht wenig dazu geholfen hat, den revolutionirenden Ideen der "Jüngsten" unter der Münchener Künstlerschaft und dem von ihnen neu geschaffenen Styl, der denn auch allgemein als "Jugendstil" geläufig geworden, zum Durchbruch zu verhelfen. Und wenn man der "Jugend" gedenkt, dann muß man auch gleich jener vorzüglichen, auf der Höhe moderner Reproduktionskunst stehenden Monats- und Halbmonatsblätter gedenken, die sich speziell der Pflege und Popularisirung der Kunst widmen, wie "Kunst für Alle" und "Dekorative Kunst", "Kunstwart" etc., die seit Jahren führend an der Spitze der Kunstbewegung standen und noch heute stehen in frischer Kraft.

Ist nun auch auf diese Erzeugnisse der Münchner periodischen Presse der Schwerpunkt bei einer Geschichte des Zeitungswesens dieser Stadt zu legen, so kann doch andererseits mit Befriedigung konstatirt werden, daß auch die politische Presse mit

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