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Die Israeliten.

Die israelitische Gemeinde war durch viele Jahrhunderte herauf ebenfalls nur geduldet. Schon bald nach Gründung der Stadt müssen aber sehr viele Juden hier ansässig gewesen sein, denn, wie schon früher geschildert worden, kamen bei der ersten Judenverfolgung beim Brand der Synagoge allein 180 Menschen um das Leben.

Im Jahre 1345 gab es wieder eine arge Judenverfolgung, als man auf einem Krautacker vor der Stadt den Leichnam eines durch Ahlen- und Nadelstiche getödteten Knaben fand. Der Mord wurde den Juden zugeschrieben und der Volkswuth fielen nicht Wenige zum Opfer.

Während der Pest im Jahre 1349 zieh man sie der Brunnenvergiftung, 1413 gab es wieder wegen "Hostienraub" eine blutige Judenverfolgung. 1442 wurden sie endlich ganz vertrieben.

Aber sie kamen immer wieder mit der Bitte um Duldung und unterwarfen sich den härtesten Gesetzen. Hart genug waren diese ohnehin schon früher gewesen; so durfte nach einer Polizeiordnung von 1370 kein Metzger den Juden Fleisch verkaufen, kein Bader für sie ein Bad zurichten und kein Fischer sie einen Fisch anrühren lassen, sie hätten ihn denn gekauft. Sie verpflichteten sich bei ihrer Rückkehr dann bei einer Strafe von "zehin Guldinn" nichts Anderes zu treiben, "dann Gelt um Wuecher (Zins) leihen, als Juden von Recht thun sulln".

Im Jahre 1715 gab es die letzte Judenverfolgung in München. Um Ruhe zu schaffen, mußten sie binnen 24 Stunden die Stadt verlassen; diese Ausweisung wurde dann bald darauf auf das ganze Kurfürstenthum ausgedehnt.

Maximilian III., der Gütige, gestattete ihnen wieder die Einwanderung und gestaltete überhaupt ihre soziale Stellung besser - allerdings blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Vorschrift in Kraft, daß jeder Jude pro Tag einen "Leibzoll" von 20 Kreuzern (57 Pf.) entrichten mußte, daß sie das Laubhüttenfest hier nicht feiern und keine Jüdin innerhalb des Burgfriedens entbinden durfte. 1799 wurde jener "Zoll" aufgehoben und das Toleranzedikt gestattete die Ansässigmachung.

Der fortschreitende Geist der Aufklärung und Menschlichkeit brachte auch diesen Vielverfolgten die gleichen bürgerlichen Rechte wie allen anderen Staatsbürgern und sie besitzen heute nicht nur ihre eigene Begräbnißstätte, sondern auch ihre Gotteshäuser, wovon der Synagogenbau gegenüber der Herzog Maxburg mit zu den architektonischen Zierden Münchens gehört. Die israelitische Gemeinde weist nach der letzten Volkszählung 7167 Seelen auf.

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