Das 15. Jahrhundert.

Waren nun auch die Verhältnisse in München und Bayern ruhigere und geregeltere geworden, so gab es doch noch genug Umstände, die ein immer wieder neues Auflodern von Zwist und kleineren und größeren Fehden befürchten lassen mußten. Einen dieser Faktoren, der ein besonders charakteristisches Moment des 15. Jahrhunderts ist, haben wir schon früher eingehend kennen gelernt: das Raubritterwesen mit seinen Gewaltthaten und der Unsicherheit der Landstraßen. Aber noch ein anderes, politisches Moment kam da besonders in Frage: die beständigen Erbtheilungen und Theilungszwistigkeiten unter den Söhnen der jeweils verstorbenen Herzoge.

Schon Kaiser Ludwig der Bayer hatte dies Übel erkannt, aber sich doch noch nicht zu einer energischen, durchgreifenden Reform aufgeschwungen.

Herzog Albrecht III., genannt der Fromme (1438-1460), war der Erste, der einen energischen Schritt that, um die Zersplitterung Bayerns und damit verbundene Erbstreitigkeiten hintanzuhalten. Er hatte fünf Söhne und kurz vor seinem Tode stellte er eine Verordnung auf, laut welcher das Land nicht getheilt werden durfte, sondern die jeweils ältesten zwei Brüder sich in die Regierung zu theilen hatten, während die übrigen Brüder Nutznießungen zugewiesen erhielten. Als Albrecht III. am 29. Februar 1460 starb, traten seine beiden ältesten Söhne, Johann und Albrecht IV. (später als Albrecht der Weise bekannt), die Regierung an. Und diesem wahrhaft weisen Fürsten verdankt Bayern endlich die dauernde Verhinderung der Erbtheilungszwistigkeiten, denn durch ihn wurde, allerdings erst nach schweren Kämpfen mit seinen Brüdern, das Prinzip der Untheilbarkeit und des Erstgeburtsrechtes durchgeführt.

Zur Beurtheilung der kulturellen Verhältnisse in der Mitte des 15. Jahrhunderts sind die Kämpfe der Brüder untereinander sehr interessant zu verfolgen, die vorangehen mußten, bis Albrecht IV. seinen segensvollen Beschluß endlich durchführen konnte.

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