Zum Beginne

In demselben Maße als der historische Sinn in der Bevölkerung gewachsen ist, hat sich auch das Verlangen nach populär geschriebenen, gemeinverständlich gehaltenen Schilderungen vergangener Zeiten gesteigert. Diesem gewiß berechtigten Verlangen zu entsprechen, war des Autors Absicht bei Abfassung des vorliegenden Werkes. Kein gelehrtes Buch also sollte geboten werden, sondern eine Zusammenfassung all der vielen gelehrten Arbeiten und Beiträge zur Münchener Geschichte und eine Wiedergabe derselben in volksthümlicher Form.

Doppelt anspornend wirkte der Umstand, daß die heute weltberühmte Kunststadt München trotz ihrer so überaus interessanten historischen Vergangenheit noch kein zusammenhängendes Geschichtswerk besaß, das den Entwicklungsgang aus den kleinsten Anfängen heraus bis zur werdenden Millionenstadt darstellt. Andererseits sprach für die erfreuliche Zunahme des historischen Sinnes in der Bevölkerung die Thatsache, daß alle populär geschriebenen Werke zur Geschichte Münchens, wie Meyer's und Trautmann's "Stadtbücher", Regnet's "München in guter alter Zeit" etc. trotz großer Auflagen schon längst vergriffen sind, obwohl sie nur Episodistisches bieten, ohne auch nur den Versuch zu machen, eine pragmatische Geschichte zu geben.

Nebst gewissenhafter Benutzung aller vorhandenen Quellen zur alten und ältesten Geschichte Münchens ist der Schwerpunkt auf die Geschichte des letzten Jahrhunderts und insbesondere der allerjüngsten Gegenwart gelegt worden, so daß in dem Werke ein getreues Spiegelbild des Lebens und Treibens am Anfange des 2o. Jahrhunderts geboten wird, das in den Kapiteln über die Kunst der Gegenwart, der Münchener Presse, der Industrie und des Kunstgewerbes etc.

Zum Schlusse erübrigt mir noch, allen jenen Faktoren an dieser Stelle herzlichen Dank zu sagen, die mich bei diesem Werke mit Rath und That unterstützt haben. Insbesondere möge dieser Dank Herrn Geheimrath Dr. v. Laubmann, Direktor der kgl. Hof- und Staatsbibliothek, sowie dem liebenswürdigen Altmeister Herrn Prof. v. Defregger ausgesprochen werden, der trotz Überhäufung mit Arbeit, mir das prächtige Titelbild zur kleinen Ausgabe meines Geschichtswerkes malte und zur Verfügung stellte, das auch in dieser Ausgabe im Kapitel über die Sendlinger Mordweihnacht Verwendung findet.

München, Sylvester 1902.

Ferdinand Kronegg.

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