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Grünwald.

Daß der Schwedenkönig Gustav Adolf, als er am 17. Mai 1632 in München durch das Isarthor seinen Einzug hielt, sich dahin äußerte, "München sei ein goldener Sattel auf einem dürren Klepper", hat sicher darin seinen Grund, daß ihm nur die wenig landschaftliche Abwechslung bietenden Flächen im Norden und Osten bekannt waren; wäre er aber von Süden gekommen und hätte er das herrliche Isarthal gekannt, das uns der berühmte Dichter Jakob Balde im IX. Buche seiner "Wälder" so herrlich besingt, so wäre ihm dieser Ausspruch sicher nicht in den Sinn gekommen.

Dort, wo sich das Isarthal bereits zu einem wald- und triftenreichen Eden erschließt, thront auf ansehnlicher Höhe Grünwald, das alte Römerkastell, dann Tegernseer-Klostermeierhof, später Jagdschloß der bayerischen Herzöge, endlich Staatsgefängniß und Pulvermagazin und jetzt in restaurirtem Zustande einer der schönsten Ausflugspunkte Münchens.

Daß Grünwald zur Zeit der Römerherrschaft ein Bollwerk der welschen Eroberer bildete, ist schon zu Eingang dieses Buches geschildert worden.

Als der Römerherrschaft in Deutschland ein Ende gemacht war, kamen für Grünwald friedlichere Zeiten, wenn es auch bei der allgemeinen Völkerwanderung noch manch streitbaren Volksstamm an seinen Mauern vorbei nach Süden ziehen sah. Die Mönche, welche den deutschen und bayerischen Stämmen das Christenthum brachten, konnten jetzt an die Kultivirung des Landes herantreten und das ruhelose, wanderlustige Volk durch Anlage fester Wohnsitze an friedliche Beschäftigung gewöhnen. Die Gegend um München wurde von Tegernsee aus besiedelt. Grünwald selbst war dabei aber allen Anzeichen nach nur ein unbedeutender Einzelhof, der von Leibeigenen des Klosters bewirthschaftet wurde. Als bei den berüchtigten Ungareinfällen Tegernsee zerstört wurde, zog Arnulf dessen Güter um München ein und vertheilte sie als Lehen unter seine Getreuen; Grünwald kam als Beigabe an das den Luitpoldingern (Scheyern-Wittelsbach) verliehene Gebiet an der Isar. So ging Grünwald in den Besitz der bayerischen Herzöge über und sah unter deren milder Herrschaft seine schönsten Tage.

In den duftenden wildreichen Wäldern um das Schloß herum, an den reich mit Gebüsch bewachsenen Ufern der Isar erscholl das Hüfthorn, lustig klang dazwischen der Jagdruf der fürstlichen Waidmänner, unterbrochen von dem lauten Gekläff der suchenden Meute. Manch edler Hirsch wurde hier zu Tode gehetzt und manch stattlicher Eber trat von hier aus seinen letzten Gang in die herzogliche Küche an. Zum Nachtisch bot die Isar ihre verschiedenen Arten von Fischen.

Wann Grünwald neu erstanden, ist nicht mit Sicherheit zu ermitteln, wahrscheinlich war Ludwig des Strengen (gest. 1294) Wittwe Mechtildis die erste Besitzerin des vollendeten Schlosses. Sie vermachte es ihrem älteren Sohne Rudolf, von dem es durch den Hausvertrag von Pavia, 4. August 1329, an Ludwig den Bayern kam; dieser überließ es, da er in den durch kirchlichen und weltlichen Streit politisch vielbewegten Zeiten nicht Muße fand, an der Stätte seiner Jugend dem friedlichen Waidwerke zu huldigen, seinem Jägermeister Konrad von Kummersbruch und dessen Sohn, gleichfalls Konrad geheißen.

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