Die Frauenkirche.

So wie man das 12. Jahrhundert das "städtebauende" nennt, so heißt das 15. Jahrhundert mit Recht das "kirchenbauende". Die herrlichsten Gebilde der Gothik, die heute den Stolz und die Zierde zahlreicher Städte bilden, hat jenes Zeitalter mit seinen genialen Baumeistern und Künstlern, seinen hochsinnigen Fürsten, gebracht.

Es war also nicht nur die stetige Zunahme der Bevölkerung, sondern es lag gewissermaßen im Zuge der Zeit, daß man so um 1460 daran ging, an Stelle der kleinen, engen Marienkapelle einen mächtigen großen Dom zu bauen.

Überall in Bayern entstanden um diese Zeit mächtige Gotteshäuser, so die Marienkirche in Ingolstadt, die St. Georgskirche in Freising, ferner die herrlichen Bauten in Neu-Ötting, Wasserburg, Moosburg etc.

Der Vorschlag zu dem Bau der Frauenkirche wurde im Rathe der Stadt gemacht und fand nicht nur dort, sondern in der ganzen Bevölkerung geradezu begeisterte Aufnahme.

Man ging in der damaligen Zeit der Wenigschreiberei von einem Beschlusse rasch zur That über - und so wurde denn sofort der "Maister Jörg Gangkofer von Polling", ein gar tüchtiger Meister, mit der Aufgabe betraut, den Plan zu einem Riesendome zu entwerfen.

Er machte sich auch sofort mit Feuereifer daran. Seit Januar 1468 war der Meister in festen Dienst der Stadt getreten, als "der Stadt Maurermeister". Da erhielt er eine Vierteljahrsgage von - man höre und staune: zwei Pfund Pfennigen (nach heutiger Währung etwa 40 Mark 80 Pfg.), außerdem aber, wenn er "in der Stadt Dienst" arbeitete, d. h. die Oberaufsicht selbst bei Bauten führen mußte, noch einen "Taglohn", der im Sommer 28 Pfg. und im Winter 24 Pfg. betrug. Allerdings hatte er dazu noch freie Wohnung. Wie aus alten Urkunden ersichtlich, wohnte der Erbauer der Marienkirche zuerst an der Maffeistraße (damals Vyngerstraße) und danach an der Windenmacherstraße. Später erhielt Meister Jörg noch einen Zimmermeister an die Seite, über den die Archive aber ebensowenig Sicheres melden, wie über Jörg selbst. Meister Heimeran soll aus Straubing gekommen sein, trat 1470 in die Dienste der Stadt und erhielt denselben "Lohn" wie der Meister Jörg.

Der Grundstein zu dem neuen Gotteshause wurde am 9. Februar 1468 zwischen zwei und drei Uhr Nachmittags gelegt. Ein altes Fragment einer Mönchshandschrift aus jener Zeit vermeldet über diese Feier:

"Unser Frauen-Sonntag nach Lichtmeß von Apollonia, den neunten Februar.

Am besagten Tag hat unser gnädiger Herr Herzog Sigmund von Bayern gelegt den ersten Stein des löblichen Baues unser lieben Frauen-Pfarrkirche zu München.

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