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Die Altkatholiken.

Noch einer Religionsgenossenschaft muß hier gedacht werden, die für Münchens Geschichte von erhöhter Bedeutung ist, weil sie hier entstanden: die Altkatholiken. Die Abscheidung derselben von der Papstkirche erfolgte im Sommer des Jahres 1870 in Folge des vom vatikanischen Konzil am 18. Juni jenes Jahres verkündeten Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes.

Stiftspropst Döllinger.

Es war diese Verkündigung der Höhepunkt jener großen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, die mit der Verkündigung des Dogmas von der "unbefleckten Empfängniß der Jungfrau Maria" (1854) begonnen, dann in der Encyklika sammt angehängtem Syllabus (1864) ihre Fortsetzung gefunden hatte.

Döllinger hatte sich schon im Januar 1870 gegen das Unfehlbarkeitsdogma ausgesprochen; im Juli traten dann 44 Professoren der Münchener Universität dagegen auf.

Der Erzbischof von München griff nun in diesen Streit ein und verlangte von den der theologischen Fakultät angehörigen Unterzeichnern jener Erklärung Widerruf, da er sonst den großen Kirchenbann über sie verhängen müßte. Von den neun Theologen gehorchten sechs. Die übrigen drei: Döllinger, Friedrich und Silbernagel verweigerten die Unterwerfung. Am. 7. April 1871 wurde über sie der große Bann gesprochen.

Die Münchener Universität antwortete damit, daß sie Döllinger zum Rektor erwählte und Professor Friedrich in den Senat aufnahm.

König Ludwig II. stand in dieser Frage ganz auf Seite des weltberühmten Gelehrten Döllinger. So schrieb er an ihn am 28. Februar 1870: "Ich hoffe zu Gott, er möge Ihnen noch viele Jahre in ungetrübter Frische des Geistes und der Gesundheit des Körpers verleihen, auf daß Sie den zu Ehren der Religion und der Wissenschaft übernommenen Kampf zu wahrer Wohlthat der Kirche und des Staates glorreich zu Ende führen können. Ermüden Sie nicht in diesem so ernsten und folgenschweren Kampfe, und mögen Sie stets von dem Bewußtsein getragen sein, daß Millionen vertrauensvoll zu Ihnen als Vorkämpfer und Hort der Wahrheit emporschauen und der sicheren Hoffnung sich hingeben, es werde Ihnen und Ihren unerschrockenen Mitstreitern gelingen, die jesuitischen Umtriebe zu Schanden zu machen...."

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