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Nymphenburg.

Einer der beliebtesten Ausflugsorte aller Münchener ist Nymphenburg mit seinem Schloß, dem Versailles Bayerns.

Nicht immer hatte Nymphenburg seinen jetzigen Namen, ehedem hieß es "Kemnaten" (chemnata, d. h. ein mit einer Feuerungsstätte versehenes Gemach). An der Stelle des heutigen blühenden Ortes befanden sich einstmals zwei größere Höfe, "Schwaigen" genannt, Ober- und Nieder-Kemnaten, welche lange Zeit den Grafen zu Scheyern lehnbar waren.

Den Ort "Campodunum Baiariae", wo Rudolf von Habsburg 1276 sein Lager schlug, um sich mit Ludwig des Strengen, Herzogs in Oberbayern, Streitmacht zu vereinigen und mit diesem vereint gegen Heinrich von Niederbayern zu ziehen, hält man nach Aventins u. A. Angaben für das heutige Nymphenburg.

Die Besitzer wechselten vielmals: Um 1241 wird ein Fridericus de Kemnata genannt; Anfang des 16. Jahrhunderts besaß Ober- und Niederkemnaten lehensweise Joh. Weißenfelder von Hilkersberg, fürstlicher Rath zu Landshut, dann ein Johann Gailkircher und seine Nachkommen, dann das Geschlecht der Weiler, von 1645 an Joh. Gaßner, kurfürstl. Rath, Stifter eines Benefiziums an der hiesigen Magdalenenkapelle, endlich kaufte Kurfürst Ferdinand Maria den ganzen Besitz von der Vormundschaft des minderjährigen Joh. Georg Gaßner, und zwar um die ansehnliche Summe von 10,000 fl.

Als am 11. Juli 1662 die Kurfürstin Adelheid (von Savoyen) ihren Gemahl mit dem längst ersehnten Thronerben, dem Kurprinzen Max Emanuel beglückte, schenkte ihr der Kurfürst den erkauften Grund und Boden, jedoch vergrößert durch das Schloßgut zu Menzing und zwei Höfe.

Von da ab beginnt für Nymphenburg eine Periode fürstlicher Herrlichkeit und geschichtlicher Denkwürdigkeit. Der Glanz der französischen Könige sollte nicht mehr sprichwörtlich sein, der kunst- und prachtliebende Max Emanuel wollte sich hier eine Sommerresidenz schaffen, wie sie Frankreichs Herrscher in Versailles nicht schöner besitzen sollten. Sein Vater machte für ihn den Anfang.

Nach den Ideen seiner Gemahlin Adelheid, welche die Reize italienischer Anlagen in Bayern nicht missen wollte, wurde zuerst der Garten angelegt und dann zum Schloßbau nach den Plänen des Agostino Barella, der auch die Theatinerkirche baute, vorgeschritten; den Grundstein legte sie eigenhändig im Jahre 1663. Doch erlebte sie nur mehr die Fertigstellung des heutigen Mitteltheiles; ihr rascher Tod (18. März 1676) hinderte sie an der weiteren Förderung des Baues.

Ferdinand Maria überlebte seine Gemahlin nur um drei Jahre; am 26. Mai 1679 folgte er ihr im Tode nach.

Es schien nun, als ob der Bau gänzlich eingestellt werden sollte; denn die ganze Kraft des erst achtzehnjährigen Kurfürsten Max Emanuel war anderweitig in Anspruch genommen. Als Lohn für die Hilfe in den nun folgenden Türkenkriegen erhielt er von Kaiser Leopold I. die Hand seiner Tochter Maria Antonia - ein Danaergeschenk!

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