Das alte Rathhaus.

Eine der reizvollsten Erscheinungen in dem Städtebild Münchens ist das alte Rathhaus, das uns heute wie ein Gruß aus dem fernen Mittelalter anmuthet. Pietätvoll wurde immer wieder bis herauf in die allerletzte Zeit dafür gesorgt, daß dieses Haus der Münchner Bürger vollkommen erhalten bleibe. Heute, wo der großstädtische Verkehr alles Alte und Enge wie ein mächtig angewachsener Strom wegzureißen droht, hat man zu allen möglichen Auskunftsmitteln gegriffen, um den wachsenden Verkehrsbedürfnissen einerseits Rechnung zu tragen, anderseits aber das ehrwürdige alte Rathhaus mit seinem malerischen Thurm zu erhalten. Und der Münchner läßt sich gerne da unten ein bischen drücken, denn jedem ist das alte, liebe Rathhaus an's Herz gewachsen, und keiner würde wohl zustimmen, wenn es hieße, der immer wachsende Großstadtverkehr verlange die Entfernung der mitunter lebensgefährlichen Engpässe, durch welche heute täglich Tausende von Wägen rollen. ....

Wann das alte Rathhaus erbaut worden, darüber künden uns keine Urkunden mehr etwas. Wie schon zu Anfang dieses Buches kurz erwähnt wurde, dürften die Rathsgeschäfte der Stadt, nachdem eine eigentliche städtische Verwaltung aus der Mitte der Bürger geschaffen worden, im sogenannten Kloster-Indersdorfhause an der Fürstenfelderstraße abgehalten worden sein. Die Untersuchungen, die am Ende des 18. Jahrhunderts der damalige Bürgermeister und Stadtoberrichter Bergmann angestellt, lassen dies mit großer Wahrscheinlichkeit vermuthen, doch ist eine absolute Gewißheit nicht gegeben. Es ist nun jedenfalls anzunehmen, daß gleichzeitig mit der Entstehung des Stadtrathes und der immer fester sich entwickelnden selbstständigen städtischen Verfassung, die Bürger dieses aufblühenden Gemeinwesens gleich denen anderer Städte daran dachten, sich ein stolzes Haus zu bauen, worin die städtische Regierung ihren Sitz haben sollte. Daß die Erbauung des Rathhauses ungefähr am Ausgang des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts stattgefunden, läßt sich aus einer Aufzeichnung vermuthen, welche im ältesten Saalbuch der Stadt München (1444) enthalten ist, welche lautet: "Es ist zu wissen, daß die Stadt vor langen Jahren des Rathhauses einen Theil gekauft, gebaut und zuwegen gebracht hat, immer darher." Dieser eine Theil des Rathhauses ist jener, in dem sich der große Saal befindet, denn

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