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Kurfürstin Adelaide

wohnten, zur Hilfeleistung herbeizurufen. Allein der Wachtkommandant, der die Thorschlüssel des Nachts in Verwahrung hatte, verweigerte, altem Gebrauche und magistratischer Anordnung gemäß, die Herausgabe der Schlüssel und Öffnung der Stadtthore ohne spezielle Erlaubniß des regierenden Herrn Bürgermeisters! So sehr galt ein alter Schlendrian und zopfmäßiges Herkommen mehr, als das Gebot der dringendsten Nothwendigkeit! Als endlich nach langer Zögerung dieses Hinderniß gehoben war, kamen 24 Arbeiter aus der Au zur Hilfeleistung herbei. Währenddem lief der Herzog Maximilian Philipp, Bruder des Kurfürsten, allenthalben in der Stadt herum, um mit den schönsten Worten die Bürger zur Hilfeleistung zu bewegen; allein sein Ansehen sowohl als seine Bitten halfen wenig, denn jeder Bürger fürchtete für sein eigenes Haus, wie denn auch, hätte ein Wind geweht, wohl ein großer Theil der Stadt in Gefahr gestanden wäre.

Erst nach anderthalb Stunden entschlossen sich die Bürger, zur Hilfe in die Residenz zu kommen. Anderthalb Stunden vergingen, ehe auch nur das Allergeringste geschah, um dem verheerenden Element Einhalt zu thun!

Unter solchen Umständen verbreitete sich das Feuer nach allen Seiten in der Residenz mit rasender Schnelligkeit Da zu befürchten stand, es werde die Gemächer des Kurfürsten, der Kurfürstin und des Prinzen ergreifen, so wurde anbefohlen, dieselben auszuräumen, was auch geschah. Dabei wurde das geheime Archiv nur mit Lebensgefahr gerettet und sogleich in das benachbarte Frauenkloster gebracht. Der Marquis d’Espinhal - ein französischer Edelmann, der sich wegen eines unangenehmen Vorfalles aus Frankreich nach München geflüchtet hatte - konnte nur noch mit Mühe die Edelsteine der Kurfürstin retten. Da auch die Schatzkammer in Gefahr stand, so erhielt der Graf von Fürstenberg, kurfürstlicher Haushofmeister und Minister, den Auftrag, die Schatzkammer zu retten.

Die Kurfürstin, welche allein in der allgemeinen Verwirrung ihre Besinnung behalten und die nöthigen Befehle gegeben hatte, befand sich während dem in einem nahen Saale. Das Fräulein de la Persuse, halb nackt und nur mit einem häßlichen schwarzen Überwurfe in Form einer Echarpe bedeckt, stürzte in Verzweiflung herbei, warf sich in Thränen gebadet zu den Füßen der Kurfürstin, und klagte sich als das unglücklichste aller Geschöpfe an. Die Kurfürstin aber hob sie vom Boden auf, schloß sie in ihre Arme, und sprach ihr mildvoll und gütig mit den Worten Trost zu: "Der Kurfürst und sie hätten Reichtum genug, um jeden Schaden, den das Feuer verursachen könne, wieder gut zu machen, ihr größter Schmerz sei der Verlust, welchen die Damen selbst erlitten." Hierauf begab sich die Kurfürstin bei Seite in ein Nebenzimmer, um

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