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"Wenn in Ansehung des Meisterstückes keine Anstände mehr vorhanden sind, so erfolgt die wirkliche Aufnahme in das Meisterrecht bei offener Lade feierlich. Die Verhandlung wird ins Meisterbuch eingezeichnet. Die bei der Gelegenheit gehaltenen Mahlzeiten nannte man das Meistermahl oder Marienessen. Das Recht des Meisters war: "auf eigene Rechnung arbeiten, jede der Zunft zukommende Arbeit zu verrichten, die nöthigen Rohmaterialen anzukaufen und zu verarbeiten, Jungen zu lehren, Gesellen

Armbrustschütze (14. Jahrh.)
(Nach einem unbekannten Meister.)

zu halten, bei Handwerktagen erscheinen zu dürfen." Er konnte nach deutschem Rechte nur einen Jungen haben (1772)."

Einzelne dieser Zünfte besaßen ganz besondere Privilegien, auf die sie natürlich nicht wenig stolz waren. So hatten die Müller die "Freyheit" ("peinliche" Fälle ausgenommen), daß sie nur von einem eigenen Richter, dem sogenannten "Hofkastner", gerichtet werden konnten, also der allgemeinen Gerichtsbarkeit nicht unterstanden. Auch die Kupferschmiede besaßen ein gleiches Recht. Sie waren 1346 von Kaiser Ludwig "von allen Richterstühlen befreit worden" und durften nur durch einen Kupferschmiedmeister gerichtet werden, der von den Mitmeistern frei gewählt wurde. Die Schuhmacher hatten wieder das Recht, daß keiner, der nicht als Meister aufgenommen war, Schuhe in München verkaufen durfte.

Auch die Kunstmaler waren damals zünftig in München und hatten ihre eigenen strengen Satzungen über die Aufnahme neuer Genossen. So heißt es in den Aufnahmsvorschriften vom Jahre 1458: "Kainer soll angehen als Maler Er mach dan vor sein meisterstuck nach dez Handwerchs haisse auf maln. Ein Maler soll mache ein Marienpild, das die veldung geplanget sei von feinem Gold und darin gepuntziret".

Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, als sich der Kunstsinn im Volke mehr entwickelte, da wurde es Mode, die Fronten der Häuser mit Bildern zu schmücken. Das waren goldene Zeiten für die zünftigen Münchner Maler. Die Zunft stieg damals auf 82 Meister, größtentheils Fremde, die sich in dem gastfreundlichen, kunstsinnigen München niedergelassen hatten.

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