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erst später, als sich die Stadt immer mehr vergrößerte, mußte auch auf der andern Seite des Thurmes ein Haus angekauft werden.

Das Rathhaus im 18. Jahrhundert.

Der Rathhausthurm also ist der älteste Theil des Ganzen, denn er bildete früher ein Stadtthor, das sogenannte Thalbruckthor. Der große Saal wurde wahrscheinlich auch erst gleichzeitig bei der Vergrößerung des Rathhauses hergestellt, die im Jahre 1415 erfolgte. Im Jahre 1443 wurde dann das Haus Nr. 3, gegenüber der Sakristei der Peterskirche, um die Summe von 200 Pfund Pfennigen angekauft. Als Eigenthümer dieses Hauses nennt der Kaufbrief drei Personen, Peter und Hans Schluder und den Kaplan Hans Eugenbeck. Wenige Jahre später (1460) schlug der Blitz in den Rathhausthurm und zündete. Der Thurm selbst brannte ganz ab und auch das Rathhaus wurde dabei sehr stark beschädigt.

Im städtischen Archiv befindet sich das Fragment einer Münchner Chronik, die ein unbekannter Chronist im Jahre 1460 begonnen und bis zum Jahre 1468 fortgeführt hat. Es heißt darin über diesen Rathhausbrand:

"Des Raththurms Brunst, Samstag vor Ägidi anno 1460.

Item an derselben Samstag-Nacht um eins nach Mitternacht schlug das Wetter in den Raththurm und anfeuerte sich, und verbrann daselbst das ganze Dachwerk, das Zinnwerk verfloß alles, und die Glocke zerging einstheils, und der Knopf fiel herab auf die Gassen; und belag das Feuer auf dem ersten Boden, der war mit Ziegeln gepflastert und ward daselbst das Feuer aufgehalten, daß es von Gottes Gnaden nicht weiter kam. Item die Bäche waren dieselbe Zeit abgelassen und gingen nicht in die Stadt; aber es regnete gar vast (sehr), und man machte am Markt ein Geschwell, daselbst wurde das Regenwasser und alles Brunnwasser aufgehalten, und man schöpfte alle Brunnen an der Kaufingergasse, am Rindermarkt, am Markt und anderwärts, damit das Wasser zufloß."

Dieser Brand gab den Anlaß zu einer vollständigen Neuherstellung des Rathhauses im Innern. Zu jener Zeit war eben der wackere Meister Jörg Ganghofer, der spätere Erbauer der Frauenkirche, als "der Stadt Maurermeister" in die Dienste des Magistrats getreten. Von 1470-1474 vollführte er die durchgreifenden Arbeiten; den großen Rathsaal in seiner gegenwärtigen Gestalt mit dem staunenerregenden Tonnen-

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