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Zehn Jahre später gab es noch einen viel gräßlicheren Hexenprozeß in München. Die Freisinger Chronik Johann Mayrs berichtet darüber:

"Den 29. Juli 1600 hat man 6 Personen zu München wegen ihrer schrecklichen Thaten folgender Weise hingerichtet. Ein Mann, so ein alter Bettler und Landstürzer, mit Namen Paul Gämperl, ward gespießt, seinem Weibe beide Brüste abgeschnitten und sowohl ihr selbst als zweien ihrer Söhne ums Maul gerieben. Dabei wurden noch zwei andere Männer und Thatverwandte, alle sechs mit glühenden Zangen gezwickt, ihre Arme mit dem Rade abgestoßen, und sie sämmtlich hierauf lebendig verbrannt. Deren gräuliche Missethaten einzeln in Kürze nicht mögen beschrieben werden. Unter anderem haben sie ausgesagt, daß sie sich alle dem Teufel ergeben, mit dessen Beihilfe große Zauberei geübt, durch Anstrich einer teuflischen Salbe laut ihrer Bekenntniß und darauf eingezogener gerichtlicher Erfahrung (!!) bis in vierhundert Kinder und mehr als fünfzig alte Personen ertödtet oder durch Erkrummung zum Tode befördert; Paul Gämperl vierundvierzig Morde, und sie alle insgemein vierundsiebzig Morde begangen. Sie haben auch etliche Dörfer und Märkte angezündet, viel Wetter und Schauer gemacht, dem Viehe die Weide vergiftet, Kirchen geraubt, das allerheiligste Sakrament des Altares daraus entwendet, den Juden verkauft, dasselbe dem Teufel zu Gefallen oftmals spöttisch traktirt und in die Schuhe gesteckt oder grimmiglich zerbissen, wie dann sonderlich Paul Gämperl bekannt, daß durch solche erbitterte Zerbeissung eine Hostie einsmals blutfarb geworden, und er darüber in Abkraft seiner Glieder gefallen.

Ebenmäßig sind am 27. November desselben Jahres 1600 in bemeldeter fürstlicher Hauptstadt München wiederum fünf Personen erst bemeldeter Gesellschaft, nämlich eine Mutter, ihre Tochter, und sonst zwei Männer um gleicher Übelthaten wegen auf gleiche Weise gestraft und hingerichtet worden; die fünfte Person war ein zwölfjähriger Knabe, des obigen Paul Gämperls jüngster Sohn, welchen man erst im Gefängnisse taufte und ihn Cyprian nannte, denn es hatte seine Mutter ihn schon in ihrem Leibe dem Teufel geschenkt und verkauft.

Sie aber alle sämmtlich und insgemein haben über vierhundert zu unterschiedlichen Zeiten ermordete

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