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gerichtes seinen Bruder freiließ. Drei Jahre später fand ein friedlicher Vergleich zwischen Christoph und Albrecht statt, auf Grund dessen Letzterem wieder die Alleinherrschaft auf zehn Jahre gesichert war. Nach Ablauf dieser Zeit (1485) wollte aber Christoph unter keiner Bedingung mehr auf die Mitregierung verzichten, und Albrecht erfuhr, daß er im Geheimen Reisige anwerbe. Der entschlossene Albrecht aber zog mit etwa tausend Mann sofort nach Erhalt der Kundschaft gegen die Stadt seines Bruders, Landsberg, und nahm sie ein. Den größten Theil seiner Mannschaft schickte er dann wieder nach München zurück, die sein besonders ergebener Hauptmann, Graf Niklas von Abensberg, führte. Ein alter Bericht sagt nun:

"Herzog Christoph erfuhr in Augsburg, wo er eben war, um Mannschaft gegen seinen Bruder Albrecht anzuwerben, diesen Vorgang. Von Wuth entbrannt und von heftiger Leidenschaft aufgestachelt, beschloß er, sich blutige Genugthuung zu verschaffen. Aber sein größter Haß warf sich auf Niklas von Abensberg, der ihn einst im Bade zu München gefangen genommen hatte und der jetzt wieder als Hauptmann die Truppen seines Bruders befehligte. An dem wollte er vor Allem blutige Rache nehmen und schwur seinen Tod. Durch seine Kundschafter hatte er genau Tag und Stunde vernommen, wann der von Abensberg mit den Seinigen München verlassen und wieder heim reiten würde. Dann ließ er, es war am Mondtag in der zweiten Fastenwoche - am 28. Februar 1485 - schnell satteln und seine Reisigen aufsitzen und ritt mit sechszig Pferden den Weg gegen Freising zu. Unterwegs kehrte er zu Kranzberg bei dem Pfleger Oswald Schönbichler ein, und sprach ihn für sich und die Seinigen um ein Reitermahl mit den Worten an: "Lieber Gesell Oswald, thue so wohl und gib mir und den Meinigen zu essen, denn ich habe wahrlich nicht mehr als drei Gulden und mein Schwert mit Silber beschlagen und glaube gewiß, daß ich dir solches vergelten und bezahlen will, als fromm ich ein Fürst von Bayern bin." Herzog Christoph nahm mit seinen Reitern die ihm vom Pfleger dargebotene Mahlzeit so eilig ein, daß sie gar nicht niedersaßen, sondern im Auf- und Abgehen aßen und tranken. Während dem kam einer seiner Reiter, den er auf Kundschaft ausgesendet hatte, zurück und meldete ihm heimlich, daß er Niklas den Abensberger, Burkhard Rohrbach, Lorenz Bogner und andere des Adels mit 64 Pferden auf zwei Meilen Weges entfernt getroffen habe. Ferner erzählte ihm der Kundschafter, daß als Herr Niklas von Abensberg aus München ausgeritten sei und zuvor von Herzog Albrecht Urlaub nahm, dieser ihn warnte und sprach: "Herr von Abensberg, ich fürchte für Euch, mein Bruder Christoph ist am Land, wir wissen aber nicht wo; wann Ihr uns folgen wollt, so wollen wir Euch noch dreißig Pferde zugeben, damit Ihr desto sicherer heim kommt." Hierauf antwortete der von Abensberg: "Gnädiger Herr, da ist weder bei mir noch bei den Meinigen eine Furcht, sondern sagt Euer Gnaden nur, ob Ihr Eueren Bruder todt oder lebendig haben wollt, wenn er auf uns stoßt." Herzog Albrecht erwiderte ihm: "Lieber Herr von Abensberg, nicht todt, sondern lebendig." Über diese Nachricht wurde Herzog Christoph so betrübt und ergriffen, daß ihm die Thränen über die Wangen liefen.

Hierauf saß Herzog Christoph mit den Seinigen wieder zu Pferd und sie ritten gegen die Stadt Freising. Zu Weihenstephan angekommen, befahl der Herzog

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