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Erst im 16. Jahrhunderte wurde dieser Zwang aufgehoben und die einzelnen Gewerbetreibenden vertheilten sich nach Belieben in der ganzen Stadt.

Die Aufnahme in eine der gewerblichen Vereinigungen war vorerst abhängig von der "Gerechtigkeit", die der Stadtrath nach einer strengen Prüfung ertheilte. Außerdem aber hatte auch noch der Hof das Recht, Gewerbegerechtigkeiten ohne Prüfung zu ertheilen. Diese Leute hießen "Hofschutzbefreite", brauchten das Bürgerrecht nicht zu erwerben und hatten doch alle Rechte der anderen, der "bürgerlichen" Gewerbetreibenden, trotzdem sie an die Stadt keine Abgaben zu zahlen brauchten.

Typen von Münchener Zünftlern (14. Jahrh.)
(Nach einem färbigen Originale im Besitze der Münchener Hof- und Staatsbibliothek.)

Die "Bürgerlichen" blickten daher nicht wenig scheel nach den "Hofschützlern", und wiederholt gab es "arge Unzufriedenheit" und starke Reibungen.

Alle diese Gewerbetreibenden mußten nun in besonderen Handwerksvereinigungen, den Zünften, sich zusammenschließen. Jede Zunft wählte aus ihrer Mitte Vorsteher ("Geschworene"), welche in Kerzen- und Beisitzmeister eingetheilt wurden.

Die "Kerzenmeister,*) sonst noch unter dem Namen der Zunft-, Ober-, Ob-, Alt-, Viertel-, Vor-, Gilde-, Gafelmeister, Pfleger, Richter oder Älteste in den Handwerk-


*) Etliche Kerzenstangen sein gemacht worden, die von den fürnembsten Handwerkern mit brinnenden Kerzen, gott zu lob und ehren, in der procession werden vorgetragen. "Birlinger aus Schwaben" II 178. Ferner siehe Kerzen resp. Wachs als Straffen und Gebräuche hier erwähnt Seite 19, 1. Spalte, Zeile 35, 41, 50 etc. und Seite 19, 2. Spalte, Zeile 12, 15, 21. "Altdeutsches Symbol der Opferung: Lichtmesse, Kerzenweihe." Die Kerzen sollten gleichsam die bösen Geister von den Verstorbenen bannen und die Seele dem ewigen Lichte zuführen. Symbole der Wachsbilder von Händen und Füßen bei Kirchenfesten wie Leonhard geopfert. Bei allen deutschen Zünften trifft man die Wachsstraffe.

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